Letzte Aktualisierung: 24.06.2018, 07:45:36 Uhr.

Radltour Salzkammergut

09. Mai 2018 - 16. Mai 2018

Mangfallknie, Ebersberger Forst, Erding, Landshut, Vilsbiburg, Rottal, Niederbayerisches Hügelland, Inntal, Hausruck, Salzkammergut, Berchtesgaden, Unken, Reit im Winkl, Drei-Seen-Gebiet, Traunstein, Seebruck, Eggstätter Seenplatte, Rosenheim, Mangfall, Mangfallknie

Mein Dank gilt Max & Familie, Vater, Onkel Klaus, Oma & Opa.

Bild 1: Am Traunsee mit Blick zum Traunstein.

Den größten Teil meiner Kindheit habe ich im Trauntal im Chiemgau verbracht. Der Name leitet sich von einem Fluss namens Traun ab, welcher das Tal durchfließt. Eines Tages bemerkte ich, dass es im benachbarten Österreich ebenfalls einen Fluss namens Traun gibt. Das war Grund genug für mich, endlich einmal einen Ausflug ins Salzkammergut zu machen.

DatumStreckenverlaufgefahrene Kilometergestiegene Höhenmeter
09. Mai 2018Mangfallknie, Ebersberger Forst, Erding, Landshut109,72 km+301 hm
10. Mai 2018Landshut, Vilsbiburg, Rottal, Niederbayerisches Hügelland93,15 km+1.011 hm
11. Mai 2018Niederbayerisches Hügelland, Braunau, Hausruck, Attersee116,54 km+1.092 hm
12. Mai 2018Attersee, Gmunden, Traunsee, Bad Ischl, Hallstätter See, Pass Gschütt, Abtenau122,33 km+1.371 hm
13. Mai 2018Abtenau, Golling, Gollinger Wasserfall, Hallein, Markt Schellenberg, Berchtesgaden, Bischofswiesen, Bayerisch Gmain, Bad Reichenhall, Staufeneck78,65 km+755 hm
14. Mai 2018Staufeneck, Bad Reichenhall, Schneizlreuth, Unken, Winklmoosalm, Seegatterl, Reit im Winkl, Kössen65,11 km+1.311 hm
15. Mai 2018Kössen, Seegatterl, Drei-Seen-Gebiet, Laubau, Ruhpolding, Eisenärzt, Traunstein55,73 km+627 hm
16. Mai 2018Traunstein, Nußdorf, Sondermoning, Egerer, Seebruck, Eggstätter Seenplatte, Via Julia (Halfing, Söchtenau), Rosenheim, Mangfall-Radweg (Bad Aibling, Bruckmühl, Feldkirchen-Westerham), Mangfallknie99,55 km+701 hm
Gesamt-740,78 km+7.169 hm

Mittwoch, 09. Mai 2018

109,72 km, +301 hm
Mangfall-Knie, Aying, Egmating, Oberpframmern, Zorneding, Pöring, Ebersberger Forst, Forstinning, Wörth, Erding, Eichenkofen, Berglern, Wartenberg, Moos, Aich, Thal, Weixerau, Eching, Achdorf, Landshut

Am ersten Tag stand die Durchquerung der Münchner Schotterebene an. Ich folgte jedoch nicht dem Isar-Radweg, sondern fuhr über Zorneding und Erding östlich an München vorbei.

Im Ebersberger Forst konnte ich ein Rudel Wildschweine beobachten. Es waren viele Junge darunter.

Bild 2: Auf schnurgeraden Straßen geht es durch den Ebersberger Forst.

Obwohl es sich bei Erding um eine Kreisstadt handelt, kam es mir eher wie ein großes Dorf vor. Dies gilt insbesondere auch für das Zentrum.

Als ich an Wartenberg vorbei war, kannte ich mich allmählich wieder aus. Ich hatte nämlich in Landshut studiert und war damals schon die ganze Gegend mit dem Fahrrad abgefahren. Es war ein tolles Gefühl, wieder zuhause zu sein, viele Straßen und Geschäfte zu kennen!

Bild 3: Isarstausee in der Weixerau.

Bild 4: Wer flussabwärts rechts der Isar folgt, der wird in Landshut von Burg Trausnitz sowie der Martinskirche empfangen. Tipp: Wer die Martinskirche besucht, der soll sich die Kirchenfenster näher anschauen. Eines zeigt nämlich Adolf Hitler.

Der Zeltplatz von Landshut liegt in den Isar-Auen, an der Spitze einer Insel in der Isar. Man muss sich den Platz mit Enten teilen, welche die Isar bevölkern.

Bild 5: Erstes Nachtlager am Campingplatz von Landshut.

Als ich abends mein Zelt aufschlug, sah mir jemand aus Nordbayern dabei zu. Er interessierte sich sehr für mein Zelt. Außerdem fragte er mich, ob ich immer alleine unterwegs war. Für gewöhnlich schon. Es will ja doch nie jemand mitkommen. Und es ist auch sehr selten, dass ich unterwegs jemanden mit Zelt und Fahrrad antreffe. Gleichaltrige meist schon gleich gar nicht.

Donnerstag, 10. Mai 2018

93,15 km, +1.011 hm
Landshut, Vilsbiburg, Bodenkirchen, Neumarkt-Sankt Veit, Massing, Eggenfelden, Niederbayerisches Hügelland

Die heutige Route bis (fast) nach Pfarrkirchen kannte ich schon aus früheren Radtouren. Gegen halb sieben startete ich. Der Schlagbaum des Campingplatzes war um diese Zeit wie üblich noch geschlossen. Ich konnte aber problemlos mein Fahrrad daran vorbei schieben.

Warum zeltet man? Weil man der Natur möglichst nahe sein möchte. Und als Radfahrer macht es auf Grund der Hitze einfach recht wenig Sinn, allzu spät zu starten.

Wie meist üblich, so war ich auch diesmal der einzige Radfahrer mit Zelt auf dem Zeltplatz. Überhaupt war ich der einzige, der zeltete.

Allmählich fuhr ich aus Landshut hinaus. Bald schon ging es steil den Berg hinauf. In Hohenegglkofen zog ich die Jacke aus und saute mich erst einmal ordentlich mit Sonnencreme ein.

Bild 6: Ein letzter Blick auf Landshut.

Am nördlichen Horizont sah ich die Wasserdampfwolken vom Kernkraftwerk Isar in den Himmel steigen. Und dann kamen wieder diese gewaltigen Stromleitungen. Allein an einem Masten zählte ich 49 Leitungen. Dieses Knistern in der Luft über mir. Angst. Ich zog den Kopf ein. Früher habe ich manchmal einen Schlag bekommen, wenn ich unter ihnen durchgeradelt bin.

Zwei große Windräder entdeckte ich, die es früher nicht gegeben hat. Regenerative Energien? Der Natur fehlt dann die Energie. Und gleichzeitig steigt nach wie vor der Energieverbrauch der Menschen, wie z. B. durch Elektroräder. Das stimmte mich schon nachdenklich.

Kurz vor Vilsbiburg kam mir wieder in den Sinn, dass ich dieses die meiste Zeit ausgelassen hatte. So bog ich bei Höhenberg ab, überquerte das Bahngleis und schob anschließend den steilen Berg hinauf. Heraus kam ich etwas später wieder bei Gaindorf, wo der Gedenkstein eines Jungen stand, der dort bei Hochwasser ertrunken war. Auf der Brücke überquerte ich die darunter liegende Hauptstraße. Anschließend ging es weiter über Bonbruck nach Bodenkirchen.

Kurz vor Bodenkirchen bemerkte ich bald schon einen Radfahrer hinter mir. Er überholte mich. Ihm folgte ein zweiter. Zwei ältere Herrschaften auf Elektrorädern und mit einigem Gepäck. Aber nicht soviel wie ich.

Kurz nach Bodenkirchen traf ich sie auf der Anhöhe wieder. Sie kamen aus Nürnberg und waren nach Altötting unterwegs. Der ältere der beiden Herren war schon über 80, der andere etwas jünger. Sie schienen sich in der Gegend auszukennen, hätten diese Reise schon öfter gemacht.

Man müsse sein Ding machen und durchziehen, solange man noch kann. Auf die Rente bräuchte man nicht warten. Ich wäre noch jung. Und das mit meinen inzwischen 38 Lenzen!

Auf dem weiteren Weg nach Neumarkt - Sankt Veit schob mich der jüngere der beiden zwei Male mit seinem Elektrofahrrad die Berge hoch. Wir verloren uns, als sie bei der Gärtnerei zurück blieben, um dort Pause zu machen.

Ich wollte weiter, weil ich in die niederbayerische Hügellandschaft zwischen Rott und Inn fahren und dort einen ehemaligen Arbeitskollegen besuchen wollte. Ich hatte vorgehabt, danach noch weiter bis nach Braunau am Inn zum dortigen Campingplatz zu radeln. Und da lag noch ein ganz schönes Stück vor mir!

Bild 7: Tägliche Prozedur: Während der Mittagspause wird das Zelt getrocknet.

Der Fahrradweg von Neumarkt - Sankt Veit nach Massing ist nicht ideal, da er durch das Hinterland und über einen Berg führt. Man folgt besser der Hauptstraße. Irgendwo war der Fahrradweg gesperrt, weil ein Baum umgefallen war und den Weg blockierte. Ich kam aber trotzdem daran vorbei, indem ich über die angrenzende Wiese auswich. Das hatten bereits andere vor mir gemacht, so dass das Gras niedergetrampelt war.

Auf dem Weg nach Eggenfelden brannte mir allmählich die Sonne auf den Pelz und wurde es etwas unangenehm. Ich entschied, doch nicht erst bei Pfarrkirchen das Rotttal zu verlassen. Sondern schon vorher. Bei Herbertsfelden.

Kurz vor Walburgskirchen bemerkte ich, dass mein Navigationsgerät Garmin Oregon 750t die letzten 30 km nicht aufgezeichnet hatte. Eine gerade Linie. Und es zeigte einen Kilometerstand von knapp 50 km an, wobei mein Fahrradcomputer Sigma BC1412 bereits über 80 km anzeigte. Ich möchte dies nicht dem Gerät ankreiden. Ich hatte es während der Mittagspause abgeschaltet gehabt. Vermutlich wird das Mitloggen nicht automatisch gestartet wie bei meinem GPSport 260 von Holux, sondern muss von Hand gestartet werden.

Dazu kam, dass ich Probleme hatte, das Navigationsgerät unterwegs mit Strom zu versorgen. Mit einer satten Ladung kam ich ca 6 - 7 h aus. Das reichte in der Regel nicht einmal für einen Tag. Die Anzeige abzuschalten und damit Energie einzusparen traute ich mir nicht, nachdem ich bereits früher Batteriewackler gehabt hatte, bei denen das Gerät unterwegs versehentlich ausgeschaltet worden war. Denn ohne die Anzeige hatte ich keine Kontrollmöglichkeit, ob es noch lief.

Nur zum Vergleich: Mein mitgenommenes, wasserdichtes Outdoor-Handy BC2710 von Samsung war während der acht Tage im Standby-Modus betrieben worden, hatte 278 Fotos gemacht (die zum Teil hier auf der Webseite zu sehen sind), hatte SMS verschickt und empfangen und telefoniert. Nach diesen acht Tagen war trotzdem nur ein Balken des Akkus verschwunden (von vier). So stelle ich mir ein brauchbares Gerät vor!

Ich hatte bereits einen externen Akkupack an das Navigationsgerät gehängt. Doch auch der Akkupack wurde immer leerer, obwohl ich diesen gleichzeitig während der Fahrt über den Nabendynamo und den Scheinwerfer Lumotec IQ2 Luxos U senso plus von B&M aufzuladen versuchte. Gemein hierbei ist, dass die Anzeige vom Navigationsgerät mit voller Hintergrundbeleuchtung läuft, sobald man auch nur eine externe Stromquelle anschließt. Der Energiesparmodus gilt hierfür scheinbar nicht. Dazu kam dann noch, dass einen das Gerät immer fragte, ob es eingeschaltet bleiben soll, wenn es am externen Anschluss keine Spannung mehr erhielt. Das war dann quasi immer der Fall, wenn ich langsamer als etwa 16 km/h rollte und der Pufferakku im Scheinwerfer leer war. Ein direktes Aufladen der Akkus im Garmin Oregon 750t war somit nicht praktikabel.

Kurzum: Kurz vor Walburgskirchen zog ich das Gerät vom Lenker und schmiss es in die Packtaschen, wo es (fast) bis zum Ende der Reise blieb.

Ich hatte bereits früher schon erfolgreich den Datenlogger GPSport 260 von Holux über den Nabendynamo und den Scheinwerfer Luxx 70 Plus Steady Auto von AXA mit eingebautem Ladegerät dauerhaft betreiben und so die Fahrt lückenlos aufzeichnen können. Allerdings hält das Gerät von Holux wenigstens 20 h mit einer Ladung durch. (Im Gegensatz zum Garmin Orgeon 750t, welches eine Farbanzeige und berührungsempfindliche Anzeige hat, verfügt der Holux GPSport 260 Datenlogger über einen stromsparenden Schwarzweißbildschirm und noch richtigen Tasten.) Und außerdem hatte ich die Umladeverluste vergessen gehabt. Bei dem jetzigen System wurde eine Pufferbatterie im Scheinwerfer aufgeladen, die anschließend auf den externen Akkupack umgeladen wurde, welcher wiederum den Akku im Garmin Oregon 750t aufgeladen hatte.

Da gab es wohl noch einiges zum Nachbessern.

Bild 8: Im niederbayerischen Hügelland (irgendwo zwischen Rott und Inn).

Im niederbayerischen Hügelland konnte ich dann einen ehemaligen Arbeitskollegen besuchen. Ich blieb dort über Nacht.

Am Abend wurde der Himmel erstmals dunkel. Doch es fielen nur einige Tropfen. Sehr zum Leid meines ehemaligen Arbeitskollegen, der sich nichts mehr als Regen für seinen neu gepflanzten Rasen herbei wünschte.

Meistens zieht das Wetter zur Rott oder zum Inn und verschont das niederbayerische Hügelland dazwischen, meinte der ehemalige Arbeitskollege zu mir. Dies sei der Rottaler Saurüssel.

Freitag, 11. Mai 2018

116,54 km, +1.092 hm
Niederbayerisches Hügelland, Simbach am Inn, Braunau, Mining, Altheim, Polling, Kirchheim, Magetsham, Waldzell, Redlthal, Frankenmarkt, Sankt Georgen, Attersee, Nußdorf, Attersee

An diesem Tag war ich gegen viertel nach sechs Uhr am Morgen gestartet. Der Himmel war dunkel und stark bewölkt und sollte es auch bis kurz vor dem Hausruck gegen Mittag so bleiben.

Den Weg nach Simbach hatte mir der ehemalige Arbeitskollege noch beschrieben und war auch recht schnell gefunden. Dann nur noch über die Brücke über den Inn hinüber auf die andere Uferseite nach Braunau. Aber wie kam ich nun zum eigentlichen Tagesziel, dem Traunsee? Ich hatte keine Ahnung. Und dass ich keine Landkarte vom heutigen Gebiet mitgenommen hatte, machte es auch nicht besser. Ich hatte mich auf das Gerät von Garmin verlassen, das sich jetzt leergezuselt irgendwo im Gepäck befand.

Auf dem Stadtplatz in Braunau bemerkte ich schon recht bald, dass ich mich vor dem Geburtshaus Adolfs Hitlers befand. Irgendwo dort in der Nähe war ein Tourismusbüro. Doch dieses hatte noch geschlossen.

In einer Nische befanden sich aber Auslagen. Und dort fand ich eine Landkarte mit Radwegen ins Salzkammergut! Der Traunsee war zwar leider nicht mehr enthalten. Ich wusste jedoch, dass er sich östlich vom Attersee befand. Daher entschloss ich mich dann dazu, erst einmal dem Römerradweg R6 westlich des Hausrucks durch den Kobernaußer Wald bis an den Attersee zu folgen. Und dann vor Ort weiterzusehen. Denn ob ich es heute überhaupt noch bis zum Traunsee schaffen würde, war mir unklar.

Der Radweg folgte anfangs weitgehend der Waldzeller Ache. Unterwegs fanden sich immer wieder Rastplätze mit Sitzgelegenheiten, Tischen und sehr interessanten Schautafeln über die römische Provinz Noricum, in der ich ja auch aufgewachsen war.

In Altheim kam ich versehentlich vom Radweg ab. Weil ich dann von der falschen Seite kam und meinen Fehler nicht gleich bemerkt hatte, folgte ich der Beschilderung in die falsche Richtung und fuhr wieder zurück. Denn viele Schilder enthalten nur einen Pfeil, der in eine Richtung zeigt - und enthalten sonst nichts. Man kann also an Hand der Beschilderung nicht sofort sagen, in welcher Richtung man dem Radweg folgt. Etwas später bemerkte ich dann, dass ich am Stadtplatz ausgerechnet unter dem Schild herausgekommen war, das in die nächste zu nehmende Richtung zeigte. Ich hatte es nicht bemerkt. Dabei hätte ich nur nach oben schauen müssen.

Etwas Ähnliches passierte mir etwas später noch einmal kurz vor Kirchheim, nur dass hier ein Schild gut von Büschen verdeckt war. Ich fuhr weiter, obwohl ich hätte abbiegen müssen. Damit war ich vom Radweg abgekommen. Als ich die Beschilderung wieder fand, folgte ich ihr erst einmal wieder in die falsche Richtung. Also zurück. Bis ich irgendwann bemerkte, dass ich hier schon einmal war. Also wieder umdrehen und alles zurück! Mit sowas kann man seinen Spaß auch haben!

Von Waldzell aus ging es schon bald auf einer fast schnurgeraden Landstraße stetig aufwärts. An diesem Tag eine schöne, ruhige und Dank des Waldes schattige Landstraße. Allmählich setzte sich auch die Sonne wieder durch.

Eine Aussicht in die Täler hatte ich nirgendwo. Überall Bäume.

Bild 9: Über den Hausruck geht es hinüber ins Salzkammergut.

Der restliche Weg an den Attersee führte durch hügeliges Land, durch bunte Wiesen und durch Wälder, über geteerte und sandige Straßen. Da das Wetter besser geworden war und die eintönigen grünen Wiesen und Felder auf der nördlichen Seite des Hausrucks den bunten Wiesen im Süden gewichen waren, empfand ich die Ankunft im Salzkammergut als ziemlich angenehm.

Bild 10: Sonne und bunte Blumenwiesen empfangen mich im Salzkammergut.

In Sankt Georgen hatte ich mich noch mit einigem Proviant eingedeckt. Erst spät am Nachmittag erreichte ich dann den Attersee. Mir war in der Zwischenzeit bereits klar geworden, dass ich es heute nicht mehr bis zum Traunsee schaffen würde.

Ich kam zwar zuerst in Attersee (am Attersee) an. Und entdeckte dort an der Hauptstraße auch ein Schild, das zu einem Campingplatz wies. Aber weil ich bereits vorher auf einem Schild von einem Campingplatz in Nußdorf direkt am See erfahren hatte, radelte ich anschließend noch die vier Kilometer dorthin, nur um dann feststellen zu müssen, dass er voll belegt war.

Also radelte ich doch wieder zurück zum Campingplatz in Attersee (am Attersee), der vermutlich schon wesentlich bessere Zeiten gesehen hatte und dessen sanitäre Anlagen (Klos, Duschen, Waschbecken) sehr schmutzig waren. Dafür aber war die Wiese, auf der ich zelten durfte, eine Wucht!

In Attersee bekam ich bei der Touristeninformationsstelle noch eine Landkarte mit Radwegen vom Salzkammergut (wieder kostenlos!).

Das Salzkammergut verfügt über 337 km eigene Radwege. Laut der Karte soll man sich mindestens eine Woche dafür Zeit nehmen. Ich radelte in anderthalb Tagen durch. Vielleicht ein andermal.

Bild 11: Bei Sankt Georgen.

Bild 12: Ein erster Blick auf den Attersee.

Bild 13: Drittes Nachtlager.

Samstag, 12. Mai 2018

122,33 km, +1.371 hm
Attersee, Gmunden, am Traunsee, Traun, Bad Ischl, Hallstätter See, Pass Gschütt, Abtenau

Früh am Morgen, so kurz nach sechs Uhr, standen noch Nebelschwaden über dem Campingplatz. Sie lösten sich jedoch bald auf.

Bild 14: Frühmorgens am Attersee.

Ich folgte der Hauptstraße am See Richtung Seewalchen. Die Straße war jedoch, obwohl in unmittelbarer Nähe des Sees gelegen, alles andere als flach. In einem ständigen Auf und Ab ging es dahin.

Die Morgensonne stand schon über dem See. Es war sehr ruhig. Einige Radfahrer auf Rennrädern kamen mir entgegen.

Bild 15: Welterberegion Attersee.

Bei Schörfling am Attersee veließ ich den Attersee und folgte dem Salzkammergutradweg R2 bis nach Gmunden.

Noch einige Kilometer vor Gmunden machte ich einen bizarren Berg aus, den ich als Traunstein zu erkennen glaubte. Nun war es nicht mehr weit.

Bild 16: Der erste Blick auf den Traunsee. Dafür war ich mehrere hundert Kilometer und mehrere Tage lang geradelt!

Kurz nach neun Uhr stand ich auf einer Anhöhe und blickte zum ersten Mal auf den Traunsee hinunter. Das also war er! Ganz so hatte ich ihn mir dann doch nicht vorgestellt.

Bild 17: Blick über den Traunsee auf den Traunstein.

Der Traunsee war im Süden von hohen Bergen umringt. Die ganze Gegend erinnerte mich irgendwie an die italienischen Seen (Gardasee). Und sowas hatten wir bei uns vor der Haustür!

In Gmunden sah ich viele große Villen mit riesigen Parks, die mich - auch vom Baustiel her - ebenfalls an Italien erinnerten.

Auf der Uferpromenade machte ich ein zweites Frühstück.

Wenn man Altmünster Richtung Süden verlässt, hat man einige hundert Meter auf dem Gehweg links von der Bundesstraße zu schieben. Man muss sich den Gehweg mit Fußgängern teilen. Die Hauptstraße war stark befahren.

Bild 18: Blick über den Traunsee auf den Traunstein.

Bild 19: Noch einmal Traunsee samt Traunstein, diesmal von Traunkirchen aus.

Am südlichen Ufer des Traunsees angekommen erreichte ich dann die österreichische Traun (welche durch den Traunsee fließt).

Ich sah einige Tourenradler mit etwas mehr Gepäck. Darunter war jemand, der geschlossene Schuhe anhatte und auch einen kleinen Rucksack trug. Den Fahrradhelm hatte er natürlich auf den Rucksack geschnallt. Ein Lowrider fehlte. Am Lenker hatte er ein Navigationsgerät von Garmin. Beeindruckend! Das musste ein echter Profi sein, dachte ich mir.

Ich traf ihn etwas später nochmals. Aber dem Radweg konnte er nicht gefolgt sein. Vermutlich war er dem Navigationsgerät und nicht der Beschilderung gefolgt.

Als bei einem kurzen Gespräch sein Blick auf meinen Lenker fiel, bemerkte er die Halterung für das Navigationsgerät von Garmin. Er erkundigte sich danach.

»Ja mei, des Graffi hob i scho' längst in den nächst'n Mülleima g'schmiss'n.«, erklärte ich ihm. »Vo' de Estareicha hob' i wos fui bessas g'kriegt.« Ich zog die Landkarte vom Salzkammergut aus einer Seitentasche.

Er blickte mich fragend an.

»Eigentlich war i ja a totala Depp, dass i des Navi übahapt kafft hob.«

Gesehen hatte ich ihn später nicht mehr. Ich hoffe sehr, dass er sich nicht verfahren hat.

Bild 20: Ein erster Blick auf die österreichische Traun.

Auf dem weiteren Weg nach Bad Ischl kamen mir dann viele Radfahrer unter. Ich wurde immer wieder gegrüßt und grüßte zurück. Irgendwann fiel mir ein, dass ich das T-Shirt von Zypern mit der griechischen Beschriftung an hatte. Hoffentlich dachten die Leute nicht, dass ich von Zypern war.

Bild 21: Die österreichische Traun südlich von Bad Ischl.

Noch bevor ich gegen Mittag Bad Ischl erreichte, sah ich einen Eurospar. Und gegenüber der Straße war eine große, gemähte Wiese mit einer Bank. Also nutzte ich die Gelegenheit und kaufte zuerst noch im Eurospar ein (morgen war Sonntag). Und machte anschließend Mittag auf der gegenüberliegenden Wiese, direkt an der Traun. Das Zelt legte ich wie gewohnt zum Trocknen in der Sonne aus.

In Bad Ischl suchte ich dann noch die Kaiservilla. Das war ein Mordsbau, umgeben von einem großen Park. Dort drin also hatte der greise Kaiser und Monarch Franz Josef I. den Marschbefehl gegen Serbien unterzeichnet und damit den ersten Weltkrieg ausgelöst, nachdem der Thronfolger Franz Ferdinand ermordet worden war. Gewollt hatte Franz Josef I. dies sicher nicht.

Eine geschichtsträchtige Gegend. Und alles vor der Haustür!

Bild 22: Am Hallstätter See.

Am Nachmittag erreichte ich dann den Hallstätter See, welcher ebenfalls von der österreichischen Traun durchflossen wird. Ganz so toll fand ich ihn aber nicht, wie Alexander von Humboldt einst berichtet hatte. Vielleicht lag es auch daran, dass ich nur das nördliche Ende sah.

Denn statt weiter dem Radweg auf der östlichen Seite des Sees zu folgen, radelte ich am Westufer entlang Richtung Hallstatt. Ich wollte heute noch über den Pass Gschütt hinüber ins Salzburger Land. Damit verließ ich das Salzkammergut auch schon wieder.

Zuerst ging es am Gosaubach entlang in ein Hochtal, wo sich das Dorf Gosau befand. Die asphaltierte Straße dort hinauf war recht eng und kurvenreich und auch recht stark befahren. Es gab keinen eigenen Radweg.

Ich machte mir allmählich etwas Sorgen, weil sich seit meiner Ankunft am Hallstätter See der Himmel verdunkelt hatte.

In der Gosau angekommen fielen gar erste Regentropfen. Es donnerte sogar mehrmals. Ein starker Wind kam auf. Doch erst kurz vor dem Pass Gschütt fing es zu regnen an.

Die Straße von der Gosau zum Pass Gschütt war dreispurig ausgebaut und sehr breit. Ich dachte zwar daran, auf Grund des Wetters umzudrehen. Aber weil der Regen erst kurz vor der Passhöhe einsetzte und der Pass 'nur' etwa 950 m hoch war, also noch unter der Baumgrenze lag, überquerte ich ihn dann doch noch trotz des schlechten Wetters.

Denn was hätte ich morgen gemacht, wenn es in Strömen geregnet hätte? Wieder alles zurück bis nach Bad Ischl und über den Wolfgangsee heim? Dann lieber doch noch heute über den Pass...

Bis kurz vor der Abtenau ging es im Regen abwärts. Dann musste ich allerdings wieder hinauf. Der Lammer konnte ich nicht direkt folgen, weil ich zum nächsten Campingplatz wollte. Und der lag laut meiner mitgenommen Landkarte vom Salzburger Land angeblich in der Abtenau.

Wo ich dann jedoch keinen fand. Nach einiger Suche in den Karten und Unterlagen der Auslage vor der Touristeninformationsstelle entdeckte ich dann jedoch einen Zeltplatz etwas unterhalb der Abtenau, wo ich dann auch etwas später übernachtete. Der Regen hatte inzwischen wieder aufgehört. Das Gewitter sich verzogen.

Das Tennengebirge kannte ich bereits von früheren Radtouren her. Es gibt für mich bis heute kein schöneres Gebirge.

Bild 23: Herrliche Blumenwiesen empfangen mich in der Abtenau.

Bild 24: Viertes Nachtlager in Erlfeld unterhalb der Abtenau.

Sonntag, 13. Mai 2018

78,65 km, +755 hm
Abtenau, Golling, Gollinger Wasserfall, Hallein, Markt Schellenberg, Berchtesgaden, Bischofswiesen, Bayerisch Gmain, Bad Reichenhall, Staufeneck

Bild 25: Der dichte Morgennebel verzieht sich allmählich.

In der Früh lag dichter Nebel über dem Zeltplatz. Ich durfte das Zelt wieder klatschnass zusammenpacken.

Die sanitären Anlagen des Campingplatzes kamen mir wie ein Tempel vor: Man ging zuerst in eine Vorhalle. Von dort führten sternartig Gänge zu den entsprechenden Einrichtungen.

Bild 26: Ein Ausschnitt der sanitären Anlagen vom Campingplatz.

Bis zur Lammeröfen ging es auf der ruhigen Bundesstraße fast nur noch abwärts. Beim Einstieg in die Klamm (Lammeröfen) blieb ich noch kurz stehen und sah mich um. Die Klamm war jedoch noch nicht offen.

Wenn ich mir alles hätte ansehen wollen, woran ich in den letzten Tagen vorbei gekommen war, hätte ich für diese Reise wenigstens einige Wochen gebraucht.

Bild 27: Blick auf die Lammer.

Ab der Lammeröfen befand sich ein Radweg neben der Bundesstraße.

Unten im Tal angekommen, wurde es dann wieder sonnig und warm.

Bild 28: Auf der Abfahrt ins Tal verzieht sich der Nebel allmählich wieder und gibt den Blick auf die Gebirgsstöcke frei.

Vom Gollinger Wasserfall hatte ich schon auf einer früheren Radtour erfahren. Allerdings war ich nie hinten gewesen. Das wollte ich heute nachholen.

Neben mir war nur noch eine Familie aus Sizilien beim Wasserfall. Gewundert hat mich, dass die Kasse, Kiosk und alles andere geschlossen waren. Dafür stand das Gatter sperrangelweit offen. Na gut, dann zahlte ich halt keinen Eintritt.

Bild 29: Der untere Teil vom Gollinger Wasserfall.

In Hallein angekommen dachte ich daran, die Wegstrecke über den Dürrnberg hinüber nach Berchtesgaden zu nehmen. Ich hielt sie für kürzer. Aber ein Passant hielt mich davon ab. Er meinte zu mir, die Strecke an der Berchtesgadener Ache entlang wäre auch nicht recht viel weiter. Dann hatte ich noch das ganze Gepäck mit. Und außerdem wollte ich schon lange einmal an der Berchtesgadener Ache entlang über Marktschellenberg nach Berchtesgaden radeln. Ich war bisher immer nur von der anderen Seite gekommen und kannte daher nur die Strecken über den Pass Hallthurm sowie über die Schwarzbachwacht, wo mein Großvater früher eine Hütte besessen hatte.

Bild 30: Die Berchtesgadener Ache.

Bild 31: Der Watzmann.

Gegen Mittag in Berchtesgaden angekommen, besuchte ich erst einmal jemanden im Krankenhaus. Immer ist irgendwas.

Ursprünglich hatte ich vorgehabt, von Berchtesgaden in die Ramsau und von dort über den Hirschbichl nach Weißbach in Österreich zu radeln, aber einige Besuche in der Gegend führten dann dazu, dass ich von der geplanten Route abwich.

Deshalb ging es dann weiter über den Aschauer Weiher nach Bischofswiesen, und von dort über den Pass Hallthurm und Bayerisch Gmain nach Bad Reichenhall, wo ich früher einmal gewohnt hatte. Für diese Strecke brauchte ich etwa eine Stunde.

Der Fuß- und Fahrradweg vom Selboden bis nach Bayerisch Gmain war jetzt durchgehend asphaltiert.

In der Bayerischen Gmain angekommen, stand ich erst einmal neben der Bundesstraße an einem Zaun, der eine Baustelle abriegelte. Den Betrieb, wo ich vor über 15 Jahren in die Bäckerlehre gegangen bin und wo etliche Streunergeschichten entstanden sind, gibt es heute nicht mehr. Alles weg.

Bild 32: Den Lehrbetrieb gibt es nicht mehr. Im Hintergrund: Der Untersberg, wo angeblich Karl der Große mitsamt seinem Gefolge auf den Jüngsten Tag wartet.

Bei der Bayerischen Gmain und der Großgmain handelte es sich ursprünglich um ein einziges Dorf. Die Bayerische Gmain gehört heute jedoch zu Deutschland, die Großgmain zu Österreich. Dank der Europäischen Union gibt es aber praktisch inzwischen keine Grenze mehr; es kann wieder alles zusammenwachsen. Beide Gemeinden haben inzwischen auch einen gemeinsamen Sportplatz. An solchen Gegebenheiten erkennt man, wie wichtig ein freies Europa ist!

Und über allem wacht noch immer die Plainburg. (Die Ruine mit den Grundmauern ist frei zugänglich.)

Bild 33: Mittagsrast in der Bayerisch Gmain.

Auf dem Weg zu Onkel Klaus kam ich an dem Platz vorbei, wo früher die Eishalle von Bad Reichenhall stand.

Bild 34: Heute Gedenkstätte statt Eishalle in Bad Reichenhall.

Die Anlage war eine Kombination aus Eishalle und Hallenschwimmbad. Ich erinnerte mich an den Drei-Meter-Sprungturm, von dem ich mich nie hatte springen trauen. Dann war da noch das kleine Becken, in dem ich als Kind das erste Mal geschwommen war. Im Winter waren wir ab und zu mit der Wasserwacht Siegsdorf ins Hallenschwimmbad nach Bad Reichenhall gefahren, wenn das Freibad in Siegsdorf geschlossen hatte. Wir hockten dann in der Badehose beim Kiosk oben und blickten durch die Glasscheiben hinüber in die Eishalle, wo andere dick eingepackt Schlittschuh liefen.

Von dem Einsturz der Eishalle mit 15 Toten hatte ich in Hastings in Neuseeland erfahren, als ich an einem freien Tag eine kleine Radltour machte.

Klaus hatte erwähnt, dass es auf dem Friedhof ein Grab mit dem Namen des Bäckermeisters gab, wo ich damals in der Bayerisch Gmain gelernt hatte.

Bild 35: Gesamtansicht des Platzes, wo früher das Reichenhaller Hallenbad sowie die Eishalle standen.

Wie auch schon in Simbach, so gab es auch in Bad Reichenhall einen Parkplatz für Camper. Aber leider keine frei zugängliche Wiese für Leute mit Zelt. Scheinbar ist es wirklich so, dass heutzutage fast niemand mehr zeltet.

Ich übernachtete diesmal auf dem Zeltplatz am Staufeneck. Dieser liegt eingezwängt zwischen Staufengebirge und Saalach und ist damit sehr langgestreckt. Von der Anmeldung bis zum Zeltplatz waren es mehr als 200 m; die sanitären Anlagen befanden sich noch weiter weg.

Etwas mulmig wurde mir, weil direkt unterhalb des Campingplatzes die Saalach dahinfloss. Das Ufer war recht steil und nicht abgesperrt. War hier schon einmal ein kleines Kind in die Saalach gefallen und ertrunken?

Toll war, dass man einen frei zugänglichen Wohnwagen sowie ein Vorzelt für Regentage hingestellt hatte.

Ich war an diesem Tag wieder der einzige, der zeltete.

Bild 36: 200 m Fußweg bis zum Zeltplatz.

Montag, 14. Mai 2018

65,11 km, +1.311 hm
Staufeneck, Bad Reichenhall, Schneizlreuth, Unken, Winklmoosalm, Seegatterl, Reit im Winkl, Kössen

An diesem Morgen musste ich bis acht Uhr warten. Die Frau von der Anmelde hatte mir gestern ein Schild mit einer Nummer gegeben, das ich hatte ans Zelt hängen sollen. Dieses sollte ich am nächsten Morgen wieder zurückgeben. Allerdings war die Anmelde erst gegen ab acht Uhr besetzt.

Bild 37: Jeden Morgen das gleiche: Zelt ist wieder nass!

In der Stadt kaufte ich noch einigen Proviant ein. In dem Geschäft hatte ich schon vor 15 Jahren gerne eingekauft, als ich noch in Bad Reichenhall wohnte.

Bild 38: Blick auf die Saalach. Im Hintergrund: das Müllner- sowie das Ristfeuchthorn (ganz hinten). Bei dem hellen Punkten im Bild handelt es sich um die Wallfahrtskirche St. Pankraz auf dem Karlstein. Wer will, der kann sich auch die frei zugänglichen Ruinen der Burg Karlstein auf dem anderen Felsen ansehen.

Den Saalachstausee umfährt man als Radfahrer besser auf der der Bundesstraße gegenüberliegenden Seite.

Dort gab es dann eine Überraschung, weil ich jemanden aus der Familie traf, welcher beim Vermessungsamt arbeitet.

Die Hände in den Hosentaschen, sah er den anderen beim Arbeiten zu. Klar: er hatte ja studiert!

»Macht's fei a g'schaide Oabad, damit's ma need wida so gähd wia des letzte Moi, ois i mi verfohn hob'!«

Der Stein hat mich nur knapp verfehlt.

Bild 39: Der Saalachstausee bei Bad Reichenhall. Im Hintergrund: die Reiter Alpe.

Ab der Fronau bleibt man als Radlfahrer besser erst einmal bis kurz vor Schneizlreuth auf der Hauptstraße. Der offizielle Fuß- und Radweg führt sehr umständlich hintenrum und ist zwar sehr schön, jedoch zum Teil auch sehr steil. Und nicht asphaltiert. Auf jeden Fall nichts für Leute mit viel Gepäck.

Bild 40: Wieder in Österreich.

Am frühen Vormittag erreichte ich Unken. In der Nähe des Dorfes war meine Großmutter aufgewachsen.

Bei der Einfahrt nach Unken machte ich nochmals Brotzeit und saute mich wieder ordentlich mit Sonnencreme ein.

Bild 41: Uraltes Land: Der Grenzstein am Scheibelberg. Damals gab es weder ein Deutschland noch ein Österreich. Die drei Länder Bayern, Salzburg und Tirol waren damals noch alle weitgehend selbständige Länder.

Dort stehen eine kleine Hütte sowie einige Informationstafeln. Weil die Salzburger und Tiroler hier in der Talenge (am Steinpass, kurz vor Unken) die Franzosen unter Napoleon samt ihren Verbündeten, die Bayern, abgewehrt hatten.

Am Anfang war Napoleon. Der Europa in Unordnung gebracht hatte. Ihm folgten später erster und zweiter Weltkrieg.

Für mich als Bayer ist es eine Schande. Dass es nie zu seinen Nachbarn gehalten hat, obwohl sie sich ja so ähnlich sind, ja fast schon die gleiche Kultur und Sprache haben. Dass Bayern immer so feige und nicht es selbst war. Und das alles wegen einem Königstitel. Denn das ehemalige Herzogtum Bayern wurde erst unter Napoleon zu einem Königreich erhoben.

Wenigstens befand sich die österreichische Flagge an meinem Fahrrad. Immerhin: Ich fuhr ein Simplon!

Bild 42: Blumenwiese bei Unken.

Ich wollte von Unken zur Winklmoosalm und weiter über Reit im Winkl hinüber nach Tirol fahren. Das heißt, an einem Tag 3x über die Grenze!

Das hat dann nicht ganz reibungslos geklappt, weil ich mich irgendwie verfahren hatte.

Bei dem letzten Bauern ging die asphaltierte Straße in eine Kiesstraße über. Da gerade eine junge, schlanke und braungebrannte Frau mit dunklen Haaren einen Quad aus der Scheune schob, fragte ich sie, ob der Weg weiter bis hinüber zur Winklmoosalm führen würde.

»Des gäht scho'«, sagte sie. »Aba ohne Kart'n wirst di schwa doa. Und dann host du fui Gepäck.«

Ich probierte es trotzdem.«

Bild 43: Kurvenreiche Bergstraße auf dem Weg zur Winklmoosalm.

Anfangs war es sehr steil. Ich musste schieben und immer wieder Pause machen.

Weiter oben kam ich dann an einem Schild vorbei. Dieses Schild wies den Weg zur Winklmoosalm.

Leider missverstand ich es und folgte weiter der breiten Kiesstraße, die kurz später auf einer Alm endete.

Da es schon gegen Mittag war, machte ich erst einmal Pause.

Etwas später schob ich zum Schild zurück und bemerkte, dass das Schild leicht in eine andere Richtung zeigte. Ich musste einem hochalpinen Weg über die Wiese folgen, der nur mit roten Markierungen gekennzeichnet war - und das mit einem schwerbepacktem Fahrrad!

Bild 44: Verfahren: keine Straße mehr! Man folge der rotweißen Markierung (auf über 1.300 m)!

Bild 45: Der Weg zur Winklmoosalm ist kaum noch zu sehen.

Bild 46: Bei dem Durchgang (Viehsperre, Schleuse) musste ich das ganze Gepäck abnehmen und alles einzeln drüberheben.

Bild 47: Kurz später folgte ein zweiter Durchgang (Viehsperre, Schleuse). Also das ganze nochmal.

Am frühen Nachmittag kam ich dann doch noch endlich auf der Winklmoosalm an. Mann, hatte ich lange gebraucht!

Bild 48: Endlich auf der Winklmoosalm!

Den Bauernhof indessen, wo meine Großmutter aufgewachsen war, den hatte ich nicht gefunden.

Ende der Achziger Jahre waren mein Bruder und ich zusammen mit den Eltern vom Seegatterl über die Winklmoosalm zur Wildalm gewandert, wo einst meine Großmutter im Sommer auf das Vieh aufgepasst hatte und die später dann von ihrer Schwester bewirtschaftet wurde.

1994 waren wir zusammen mit der Schule auf der Winklmoosalm langlaufen gewesen. Bei der anschließenden Abfahrt ins Seegatterl hinab hatte es mich in jeder Reibe (Kurve) geschmissen, weil ich das Skifahren nie wirklich richtig gelernt hatte.

Es führt zwar eine mautpflichtige Straße vom Seegatterl zur Winklmoosalm hinauf. Ich aber nahm die steile Forststraße an der Schwarzlofer entlang. Meine glatten Reifen (Big Ben von Schwalbe) gingen gerade noch so. Waren aber schon grenzwertig. Ein gröberes Profil wäre hierfür sicher besser gewesen. Das Fahren auf solch einer Straße mit diesen Reifen will geübt sein!

Bild 49: Bunte Blumenwiese auf dem Weg nach Kössen.

Der Himmel zog allmählich wieder zu. In Reit in Winkl donnerte es dann einige Male.

Im Dorf kam ich direkt an einem Schuhgeschäft vorbei. Und sah dort: Sandalen. Die alten waren bereits fast neun Jahre alt und inzwischen völlig runter. Also nutzte ich die Gelegenheit, ging rein und besorgte mir neue. Leider hatten sie keine von GEOX mit atmungsaktiver Sohle da.

Normalerweise nahm ich immer die Hauptstraße von Reit im Winkl nach Kössen hinab. Diesmal aber folgte ich - trotz des zunehmend schlechter werdenden Wetters - dem Radweg über Oberbichl und dem Moserberg.

In Kössen kam ich dann direkt an einer öffentlichen Toilette vorbei. Wie praktisch! Der Stuhlgang war auf Radtouren auch so ein oft nicht ganz einfaches Thema. In der Regel muss man jede sich anbietende Gelegenheit nutzen.

Auf dem Weg zum Zeltplatz regnete es dann. Als ich jedoch etwas später mein Zelt auf einer Wiese von Eurocamping aufstellte, hatte der Regen wieder aufgehört.

Die eigentliche Wiese zum Zelten gab es nicht mehr. Die war Baustelle. Ich durfte mir irgendwo einen anderen Platz suchen. Wo sonst normalerweise Wohnmobile und Wohnwagen standen. Das bedeutete natürlich, dass der Boden so verdichtet war, dass man kaum einen Hering reinbekam. Ich wusste schon, warum ich mich bei meinem neuen Zelt (Denali II von Salewa) wieder für ein selbsttragendes Zelt entschieden hatte, das auch ohne Abspannung stand.

Von der jungen Dame an der Rezeption bekam ich einen Kugelschreiber geschenkt.

40 Jahre Eurocamping. Das war einer der 15 nobleren Campingplätze in Österreich. Da ich erst morgen bei der Abreise zahlen sollte, war ich 'mal gespannt, was ich morgen bezahlen durfe.

Bild 50: Das gelobte Land Tirol empfängt mich mit dunklen Wolken.

Dienstag, 15. Mai 2018

55,73 km, +627 hm
Kössen, Seegatterl, Drei-Seen-Gebiet, Laubau, Ruhpolding, Eisenärzt, Traunstein

In der Nacht schüttete es dann, dass ich Angst bekam und mich fast nicht mehr aus dem Zelt traute.

Als der Regen etwas schwächer war, ging ich kurz mal auf die Toilette. Anschließend setzte ich mein morgendliches Müsli an. Leider verschloss ich dabei meine beiden vorderen Radtaschen nicht richtig, so dass sich am Morgen Regenwasser darin gesammelt hatte.

Bild 51: Frühmorgens stand der Campingplatz unter Wasser.

Der Regen hatte am Morgen wieder aufgehört. Das Zelt stand in einer Wasserlacke. Doch der Zeltboden hielt. Es war nichts eingedrungen. Dafür setzte ich meine beiden Füße in eine Pfütze, als ich das Zelt verließ.

In der Früh fragte mich ein Lastwagenfahrer, wo es denn hier nach Salzburg ginge. Nanu? Der musste sich aber ordentlich verfahren haben! Vielleicht hatte er aber auch nur mit mir ins Gespräch kommen wollen...

Für die Übernachtung durfte ich dann fast 20 Euro zahlen.

Ich wollte anfangs weiter über den Walchsee nach Kufstein und dann nach Hause radeln. Doch entschied ich mich dann in der Früh dazu, wieder zurück zum Seegatterl, durch das Drei-Seen-Gebiet und bis nach Traunstein (diesmal eine Stadt in Oberbayern) zu radeln. Weil dies die schönere und kürzere Strecke war. Insgeheim hegte ich die Hoffnung, dass das Wetter morgen wieder besser werden würde.

Anfangs folgte ich der Hauptstraße. Weil ich den gestrigen Radweg nicht mehr fand. Doch an der deutsch-österreichischen Grenze begann ein Radweg. Dieser führte an der Lofer entlang zum Seegatterl hinauf. Ich hatte gestern diesen Weg vor Reit im Winkl unbemerkt verlassen gehabt. Seltsam, dass er nicht in der Karte verzeichnet war.

Auf dem Weg zum Weitsee kam mir eine Schulklasse von Grundschülern unter. Die einen Kinder waren ihren Lehrern weit voraus. Andere weit zurück.

»Hallo!«

»Servus! Ihr wisst's scho', dass es hier wuide Bär'n und Wölfe gibt, oder? Erst des letzte Joh' is' a ganze Schuiklass'n verschwund'n.«

Änglichste Blicke der Kinder.

1835 wurde hier in der Gegend der letzte Bär Bayerns geschossen.

Bild 52: Ankunft am Mittersee.

Der Mittersee und der Lödensee gehören für mich zu den tollsten Seen überhaupt. Die Ufer sind frei zugänglich, das Baden gestattet. Allerdings muss man sich die Ufer mit Kühen teilen.

Die Seen sind von hohen Bergen umgeben. Nach schneereichen Wintern haben sie oft bis in den späten August hinein viel Wasser. Ein Pegelunterschied von 5 m ist normal. Es kam auch schon vor, dass wir im Juni dort gebadet hatten und im Gebüsch noch Schnee lag.

Ich war 1991 das erste Mal dort gewesen. Die Familie eines Freundes hatte mich mitgenommen. Ab 1996 war ich oft die 24 km von Siegsdorf reingeradelt, nur um dort baden zu können. Natürlich war ich am späten Nachmittag auch wieder heimgeradelt.

Außerdem ist ein Klassenlehrer von mir auf der Straße zwischen Weitsee und Mittersee im Dezember 1997 verunglückt.

Bild 53: Blick auf den Lödensee.

Bild 54: Der Förchensee. Aus ihm entspringt die Seetraun.

Bild 55: Der von unterirdischen Quellen gespeiste Förchensee unter Wasser. Ja, sowas kann mein Samsung BC2710 Mobilfunktelefon auch ;-).

Gegen Mittag erreichte ich Ruhpolding. Es begann allmählich wieder zu regnen. In einem Geschäft hatte ich noch einige Sachen eingekauft. Danach radelte ich weiter zu meinem Großvater, der in der Nähe von Traunstein auf einem Gehöft wohnt. (Diesmal ist aber eine Kreisstadt in Oberbayern gemeint, durch welche die bayerische Traun fließt!) Das klatschnass eingepackte Zelt hatte ich nachts über in der Scheune aufstellen und trocknen lassen dürfen. Und wieder bewährte sich, dass es auch ohne Abspannung stand! Ich hatte dann auf dem Heuboden übernachtet.

Insgesamt hatte es an diesem Tag nur wenig geregnet. Etwas, das mich - ehrlich gesagt - etwas überrascht hatte.

Es war das letzte Mal, dass ich meinen Großvater gesehen hatte. Einen Monat später war er verstorben.

Mittwoch, 16. Mai 2018

99,55 km, +701 hm
Traunstein, Nußdorf, Sondermoning, Egerer, Seebruck, Eggstätter Seenplatte, Via Julia (Halfing, Söchtenau), Rosenheim, Mangfall-Radweg (Bad Aibling, Bruckmühl, Feldkirchen-Westerham), Mangfall-Knie

Am frühen Morgen begann es wieder zu schütten. Nachdem mein Großvater verschlafen hatte, brach ich erst so gegen dreiviertel acht bei leichtem Regen auf. Ich musste zur Mangfall hinauf. Das waren noch gut 100 km.

Auf Grund des schlechten Wetters entschied ich mich dann dazu, doch keine Chiemsee-Umrundung zu machen. Sondern den Chiemsee nördlich zu umfahren.

In Seebruck hatte der Regen wieder aufgehört.

Bild 56: Alz (im Vordergrund) mit Bayerischem Meer (Chiemsee) während einer Regenpause bei Seebruck.

Da ich an einem Wegweiser mit der Beschriftung 'Via Julia' vorbeikam, bekam ich eine Idee. Ich suchte das Fremdenverkehrsamt auf und fragte nach einer Karte von diesem Radweg, der weitgehend auf einer ehemaligen Römerstraße verlief. (Der Name 'Via Julia' entstand erst später. Die Römer hatten keinen Namen für diese Reichsstraße.)

Bild 57: Schilderwald. Die Beschilderung für Radfahrer hat in den letzten 20 Jahren ganz erheblich zugenommen.

Leider hatten sie keine. Ich bekam aber zwei Landkarten geschenkt, die das Gebiet zwischen Traunsee und Mangfall zeigten. Und worin ebenfalls die Via Julia verzeichnet war.

Auf den Radkarten waren vorne Radfahrer abgebildet. Natürlich mit Helm. Ich habe mich aber sehr über die Ausrichtung der Scheinwerfer gewundert. Der eine zeigte in den Himmel, der andere in den Boden!

Bild 58: Der Chiemsee (wo die Grundlagen der Verfassung der heutigen Bundesrepublik Deutschland ausgearbeitet worden sind).

Die Route 'Via Julia' führte durch die Eggstätter Seenplatte und nördlich von Bad Endorf vorbei zum Inn. Das war nicht gerade der kürzeste Weg. Ich wäre sonst über den Simssee direkt nach Rosenheim und von dort weiter an der Mangfall entlanggeradelt.

Bild 59: Querschnitt einer Römerstraße.

Ich hatte diese Route schon eingeschlagen, da begann es wieder allmählich zu regnen. Das war nicht ideal, weil die Via Julia auf sandigen und kiesigen Böden in einem Wald durch die Eggstätter Seenplatte führte.

Bild 60: Auf Grund der Nässe klebt alles am Fahrrad.

Als ich den Inn erreichte, wurde der Regen so stark, dass ich kaum noch etwas sah. Das war alles andere als lustig. Ich schimpfte und verfluchte wieder einmal mein Leben. Aber es half alles nichts - ich musste da durch. Wer viel Fahrrad fährt, der wird allmählich gläubig. Aber irgendwie geht es immer.

Bild 61: Bei diesem Anblick wird ganz schnell klar, warum jedes Fahrrad über einen geschlossenen Kettenkasten verfügen sollte.

Trotz des starken Regens kamen mir in Rosenheim sowie an der Mangfall immer wieder Radfahrer unter. Darunter sogar eine Dame mit viel Gepäck.

Bei Feldolling hatten sich drei Radfahrer untergestellt. Ich wunderte mich darüber. Regnete es jetzt doch schon wieder seit einigen Stunden. Wenn ich mich ständig unterstellen würde, wenn es regnete, würde ich nicht weit kommen. Und ich sollte Recht behalten. Denn die nächsten beiden Tage sollte es noch genauso stark regnen.

Wenigstens konnte ich meine neuen, wasserdichten Socken von Sealskinz an diesem Tag ausprobieren. Sie hatten sich vollkommen bewährt. Nicht nur, dass die Füße bis zum Ende der Fahrt trocken und warm geblieben sind. Es befand sich auch wesentlich weniger Wasser in den Schuhen als sonst. Da war nichts mehr mit in Pfützen treten!

Bild 62: Die wasserdichten und elastischen Socken mit Merinowolle von Sealskinz.

Sonst würde ich für solche Tage ja Gummistiefel empfehlen. Aber die sind einfach zu schwer fürs Gepäck.

Nach meiner Ankunft daheim räumte ich die nächsten zweieinhalb Tage erst einmal auf. So eine Radltour ist verdammt viel Arbeit.

Und für diesen Bericht würde ich dann nochmals fünf weitere Tage brauchen.


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